Gurken im Gewächshaus anbauen verlängert die Saison um 6–8 Wochen und ermöglicht Erntemengen die im Freiland in deutschen Klimaten selten möglich sind. Die wichtigsten Faktoren: Bodentemperatur mindestens 18 °C (Gurken keimen nicht darunter), tägliche Temperatur 22–28 °C, hohe Luftfeuchtigkeit (60–80 %) und Rankunterstützung (Gurken brauchen 1,5–2,5 m Höhe). Pro Pflanze rechnet man mit 5–10 kg Gurken pro Saison.
Warum Gurken im Gewächshaus statt im Freiland anbauen?
Gurken im Gewächshaus bringen drei konkrete Vorteile: geschützter Anbau ohne Mehltau durch Regen (Echter und Falscher Mehltau sind die häufigsten Gurkenkrankheiten im Freiland, ausgelöst durch nasse Blätter), höhere Temperaturen bedeuten schnelleres Wachstum (10 °C mehr Bodentemperatur = 30–40 % mehr Wachstumsgeschwindigkeit), und frühere Ernte (ab Mai statt Juli im Freiland). Nachteil: Gurken im Gewächshaus brauchen regelmäßiges Ausgeizen und manuelle Bestäubung bei Verwendung von nicht-selbstfruchtenden Sorten.
Welche Gurkensorten eignen sich für das Gewächshaus?
Für das Gewächshaus eignen sich parthenokarpische Sorten (selbstfruchtend ohne Bestäubung durch Insekten), da Bienen im Gewächshaus oft fehlen: ‚Passandra F1‘ (Mini-Salatgurke, kernlos, sehr ertragreich), ‚Picolino F1‘ (kleinfrüchtig, 12–15 cm, ideal für kleine Gewächshäuser), ‚La Diva‘ (mittelgroß, sehr robust) und ‚Diva F1‘ (amerikanische Salatgurke, kernarm). Freiland-Sorten wie ‚Marketmore‘ brauchen Insektenbestäubung und sind für Gewächshäuser ohne Lüftungsöffnungen ungeeignet.
Wann und wie sät man Gurken für das Gewächshaus aus?
Gurken für das Gewächshaus sät man ab April (bei beheiztem GH ab März) in Einzeltöpfe (9 cm Durchmesser), 2 cm tief, ein Samen pro Topf. Keimtemperatur: 22–25 °C Bodentemperatur (Heizmatte!). Keimdauer: 3–7 Tage. Auspflanzen ins Gewächshaus wenn die Jungpflanze 3–4 echte Laubblätter hat (ca. 3–4 Wochen nach Aussaat) und die Bodentemperatur im GH mindestens 18 °C beträgt.
Wie pflegt man Gurken im Gewächshaus richtig?
Gurken im Gewächshaus pflegt man durch: Ausgeizen (alle Seitentriebe bis zum 5. Blatt entfernen, danach nur oberste Triebe stehen lassen), Rankschnur gespannt vom Boden bis zur Firstschiene anbringen (Gurke windet sich daran aufwärts), tägliches Gießen (Gurken brauchen viel Wasser, trockene Perioden führen zu bitterem Geschmack) und wöchentliche Düngung ab dem zweiten Monat (Kalium-betonter Flüssigdünger, z.B. Hakaphos rot).
Welche Krankheiten und Schädlinge befallen Gurken im Gewächshaus?
Die häufigsten Probleme bei Gewächshaus-Gurken sind: Echter Mehltau (weißer Belag auf Blättern, bei zu trockener Luft unter 50 % Luftfeuchtigkeit), Rote Spinne (winzige Milben an der Blattunterseite, bei Trockenheit und Hitze über 30 °C), Grauschimmel (Botrytis, bei zu hoher Feuchtigkeit über 85 % und schlechter Lüftung) und Gurkenmosaikvirus (durch Blattläuse übertragen, keine Behandlung möglich — befallene Pflanzen entfernen).
Fazit: Gurken im Gewächshaus — Aufwand und Ertrag
Gurken sind eine der lohnendsten Gewächshausgemüse: Der Pflegeaufwand ist mit wöchentlichem Ausgeizen, Rankbinden und täglichem Gießen überschaubar, der Ertrag mit 5–10 kg pro Pflanze erheblich. Zwei Gurkenpflanzen in einem 4 m² Gewächshaus reichen für eine vierköpfige Familie von Juni bis September. Der einzige nicht verhandelbare Faktor: parthenokarpische Sorten wählen — ohne Insektenbestäubung gibt es sonst keine Früchte.

