Gewächshaus reinigen – Schritt-für-Schritt Anleitung & Tipps

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Ein Gewächshaus reinigt man idealerweise zweimal im Jahr: im Frühjahr vor der Anzuchtsaison und im Herbst nach der letzten Ernte. Rückstände von Algen, Kalk, Sporen und Schädlingseiern verbleiben sonst auf Glasscheiben, Stegplatten und Aluprofilen und gefährden die nächste Saison.

Dieser Artikel erklärt, welche Reinigungsmittel für Glas, Polycarbonat und Aluminium geeignet sind, wie man hartnäckige Algen und Kalkflecken ohne Materialschäden entfernt und welche Werkzeuge den Reinigungsaufwand halbieren. Zielgruppe sind Hobbygärtner mit Kalt- und Warmhäusern zwischen 6 und 20 m².

Wann sollte man ein Gewächshaus reinigen?

Ein Gewächshaus reinigt man zweimal jährlich: im Frühjahr zwischen Februar und März, bevor die ersten Jungpflanzen einziehen, und im Herbst zwischen Oktober und November nach der letzten Ernte. Wer nur einmal reinigt, wählt das Frühjahr.

Der Frühjahrsputz entfernt Wintermoose, Algenbeläge und Pilzsporen, die sich auf der kalten Innenseite der Verglasung gebildet haben. Diese Beläge reduzieren den Lichtdurchlass von Polycarbonat-Doppelstegplatten um bis zu 30 % – ein messbarer Wachstumsverlust für lichtbedürftige Kulturen wie Tomaten (Mindestbedarf 25.000 Lux) oder Paprika (20.000 Lux). Der Herbstputz verhindert, dass Schädlingseier und Pilzsporen überwintern und im nächsten Frühjahr direkt auf Jungpflanzen treffen.

Welche Reinigungsmittel sind für Gewächshäuser geeignet?

Für Gewächshäuser eignen sich pH-neutrale Reiniger (pH 6–8), verdünnte Essiglösung gegen Kalk (5–10 % in Wasser) und Spezialreiniger für Gewächshausfolien und Stegplatten. Aggressive Haushaltsreiniger mit Chlor oder starken Laugen (pH über 10) greifen Aluminium und Polycarbonat an.

Reinigungsmittel nach Materialtyp

Material Geeignetes Mittel Ungeeignet Hinweis
Einfachglas pH-neutraler Reiniger, Glasreiniger Scheuermittel, Stahlwolle Kratzt schnell, Wischreste sichtbar
Doppelstegplatten (PC) Lauwarmes Wasser + mildes Spülmittel Lösungsmittel, Aceton, Alkohol PC löst sich bei Lösungsmitteln auf
Aluminium-Profile pH-neutral, Essigwasser (max. 5 %) Natronlauge, Ammoniak Alu oxidiert bei Lauge
Gewächshausfolie (PE) Klares Wasser + Mikrofasertuch Lösungsmittel, Bürsten mit harten Borsten Folie reißt bei mechanischem Druck
Holzrahmen Seifenlauge, Holzschutzmittel nach Reinigung Hochdruckreiniger direkt auf Holz Holz splittert bei zu hohem Druck

Alle Reinigungslösungen, die in ein Gewächshaus mit Erdbeeten eingebracht werden, sollten biologisch abbaubar sein. Konventionelle Haushaltsreiniger mit Tensiden (z. B. natriumlaurylsulfathaltige Produkte) verändern den Boden-pH-Wert langfristig. Besser: Orangenöl-basierte oder Citrus-Reiniger, die nach 48 Stunden vollständig abbauen.

Wie reinigt man ein Gewächshaus mit dem Hochdruckreiniger?

Den Hochdruckreiniger auf maximal 50–80 bar einstellen und einen Weitwinkelaufsatz (25–40°) verwenden. Direktstrahlen auf Dichtungen, Folien und PC-Stegplatten vermeiden. Abstand zur Fläche mindestens 30 cm halten, um Materialschäden auszuschließen.

Der Hochdruckreiniger eignet sich vor allem für die Außenreinigung von Glas- und Aluminium-Gewächshäusern sowie für das Auswaschen des Innenbodens. Für die Innenwände ist er nur bedingt geeignet: Sprühnebel verteilt Pilzsporen und Schädlingseier gleichmäßig im Innenraum, statt sie zu entfernen. Sinnvoller ist die Innenwand-Reinigung mit einem Teleskopwischer und Reinigungslösung.

Vor dem Hochdruckreiniger alle Pflanzen entfernen, Töpfe herausstellen und Erde im Beet mit einer Folie abdecken. Rückstände des Reinigungsmittels mit klarem Wasser nachspülen, bevor neue Pflanzen ins Gewächshaus kommen.

Wie entfernt man Algen und Grünbeläge im Gewächshaus?

Algenbeläge lösen sich mit einer Mischung aus 1 Teil Essig und 9 Teilen Wasser, die 15–20 Minuten einwirkt. Hartnäckige Grünbeläge auf Aluminium behandelt man zusätzlich mit einer Messingbürste. Auf PC-Stegplatten nur weiches Schwammtuch verwenden.

Algen wachsen bevorzugt auf der Nordseite von Gewächshäusern sowie in schlecht belüfteten Ecken, wo Restfeuchte länger verbleibt. Die häufigsten Algenarten in Mitteleuropa sind Grünalgen (Chlorophyta) und Cyanobakterien (Blaualgen), beide Zeiger für dauerhaft erhöhte Luftfeuchtigkeit über 80 %.

Als Langzeitschutz gegen Algenrückwächse empfehlen Fachbetriebe Lüftungsverbesserungen: Firstlüftung oder automatische Fensteröffner, die die Luftfeuchtigkeit im Sommer unter 70 % halten. Eine detaillierte Anleitung bietet der Artikel Gewächshaus Lüftung selber bauen.

Wie reinigt man Doppelstegplatten aus Polycarbonat richtig?

Doppelstegplatten aus Polycarbonat reinigt man mit lauwarmem Wasser (max. 40 °C) und einem milden Spülmittel. Mikrofasertücher oder weiche Schwämme verwenden. Scheuernde Materialien, Lösungsmittel und alkoholhaltige Reiniger lösen die UV-Schutzschicht auf und machen die Platten spröde.

PC-Stegplatten haben eine werkseitig aufgetragene UV-Schutzschicht (meistens auf der Außenseite mit Prägung markiert). Diese Schicht verhindert die UV-Degradierung des Materials — ohne sie werden die Platten innerhalb von 2–4 Jahren gelblich und spröde, der Lichtdurchlass sinkt von 82 % auf unter 60 %. Lösungsmittel wie Aceton, Isopropanol oder Glasreiniger auf Alkoholbasis zerstören diese Schicht innerhalb weniger Anwendungen.

Schritt-für-Schritt: PC-Stegplatten innen reinigen

  1. Pflanzen und Töpfe aus dem Gewächshaus räumen
  2. Trockenen Schmutz und Spinnennetze mit weichem Pinsel abkehren
  3. Reinigungslösung (1 TL Spülmittel auf 5 L lauwarmes Wasser) ansetzen
  4. Mit weichem Schwamm von oben nach unten in Längsrichtung der Stegplatten wischen (quer zur Rippenrichtung drückt Wasser und Schmutz in die Hohlkammern)
  5. Mit klarem Wasser nachspülen
  6. Offene Kanten der Stegplatten (Schnittkanten) prüfen – verstopfte Hohlkammern mit Druckluft freiblasen und mit Gewächshaus-Abschlussband wieder versiegeln

Wie reinigt man Kalk- und Wasserflecken von Gewächshausscheiben?

Kalkflecken auf Glasscheiben entfernt man mit einer 5–10 %-igen Essiglösung oder Zitronensäure (1 EL auf 500 ml Wasser), die 10 Minuten einwirkt. Danach mit einem Gummirakel abziehen und mit klarem Wasser nachspülen.

Kalkflecken entstehen durch kalkhaltiges Wasser, das auf der Glasoberfläche verdunstet und Kalziumkarbonat zurücklässt. In Regionen mit hartem Wasser (mehr als 14 °dH, entspricht weiten Teilen Bayerns, Österreichs und der Schweiz) sind wöchentliche Spritzflecken auf der Innenverglasung durch Bewässerungssysteme normal. Regelmäßiges Abziehen nach dem Gießen reduziert die Kalkablagerungen deutlich.

Für hartnäckige Kalkschichten: Entkalkungstabletten (Citronensäure-Basis) in Wasser auflösen, Tücher damit tränken und auf die betroffenen Stellen legen. 30 Minuten einwirken lassen, dann abwischen. Keine mechanischen Schaber auf Einfachglas verwenden – Mikroschäden erhöhen die Empfindlichkeit für Folgeschäden.

Was muss man beim Reinigen von Aluminium-Profilen beachten?

Aluminium-Profile reinigt man mit pH-neutralen Reinigern oder verdünnter Essiglösung (max. 5 %). Stark alkalische Mittel (pH über 10) wie Natronlauge oder Backofenreiniger lösen die Oxidationsschicht des Aluminiums auf und führen zu Korrosion und weißen Flecken (Aluminiumhydroxid).

Die meisten Gewächshaus-Aluminium-Profile sind eloxiert (Oberflächenschutz durch anodische Oxidation) oder pulverbeschichtet. Eloxiertes Aluminium ist empfindlicher gegenüber starken Säuren und Laugen als unbeschichtetes Aluminium, da die Oxidschicht durch pH-Extreme aufgelöst wird. Pulverbeschichtete Profile vertragen scheuernde Reinigungsmittel nicht – die Beschichtung verkratzt dauerhaft.

Ecken und Verbindungsprofile sorgfältig reinigen: dort sammeln sich Erde, organische Reste und Kondenswasser, ideale Bedingungen für Schimmel und Algenwachstum im nächsten Winter.

Welche Werkzeuge braucht man für die Gewächshausreinigung?

Für eine vollständige Gewächshausreinigung benötigt man: Teleskopstiel (1,5–2 m) mit Wischaufsatz, Eimer, Mikrofasertücher, weichen Schwamm, Gummirakel, Sprühflasche und Schutzhandschuhe. Optional: Gartenspritze oder Hochdruckreiniger mit Weitwinkelaufsatz für die Außenreinigung.

Werkzeug Verwendung Kosten (ca.)
Teleskopstiel mit Wischaufsatz Deckenplatten und obere Seitenwände 15–40 €
Gummirakel Wasserabzug auf Glasscheiben 5–15 €
Mikrofasertücher (min. 5 Stück) Streifenfreies Wischen, Nachtrocknen 8–20 €
Sprühflasche (1 L) Gezieltes Auftragen von Reinigungslösung 3–8 €
Hochdruckreiniger Außenreinigung Glas, Boden auswaschen 60–250 € (Kauf) / 30 € (Tagesmiete)
Messingbürste Hartnäckige Beläge auf Aluminium-Profilen 4–10 €

Wie desinfiziert man ein Gewächshaus nach Schädlingsbefall?

Nach Schädlingsbefall desinfiziert man ein Gewächshaus mit Neem-Öl-Lösung (2–5 ml/L Wasser mit etwas Spülmittel als Emulgator), Schwefelkalk oder – bei schwerem Befall – mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln der Klasse B nach Pflanzenschutzgesetz. Alle Pflanzen, Töpfe und Erde vorher vollständig entfernen.

Rote Spinne, Thripse und Weißfliegen überstehen den Winter als Eier oder Puppen in Ritzen der Aluminiumprofile, im Boden und auf Pflanzenresten. Eine konsequente Desinfektion zwischen Oktober und Februar unterbricht den Vermehrungszyklus. Temperaturen unter –5 °C über mindestens 3 Tage töten viele Schädlingsstadien ab – wer ein unbeheiztes Gewächshaus hat, kann diesen natürlichen Frostschutz nutzen.

Mehr zu Schädlingen und deren Bekämpfung liest du im Artikel Schädlinge und Krankheiten im Gewächshaus.

Wie pflegt man ein Gewächshaus nach der Reinigung?

Nach der Reinigung überprüft man Dichtungen, Lüftungsklappen und Türscharniere auf Verschleiß. Aluminium-Schienen leicht mit Silikonspray einsprühen. Offene Kanten von PC-Stegplatten mit Abschlussband versiegeln. Bodenbeet mit frischer Komposterde oder Gewächshauserde auffüllen.

Dichtungen aus EPDM-Gummi (Standard bei Markengewächshäusern) haben eine Lebensdauer von 8–12 Jahren. Rissige Dichtungen lassen kalte Luft ein, erhöhen den Heizenergiebedarf messbar und ermöglichen Schädlingen den Eintritt. Ersatzdichtungen sind für gängige Gewächshausmarken (Vitavia, Palram, Juliana) als Meterware erhältlich.

Alle Schraubenverbindungen auf Festigkeit prüfen – Gewächshäuser aus Aluminium dehnen sich bei Temperaturunterschieden von –10 °C bis +40 °C um mehrere Millimeter aus. Lockere Schrauben führen bei Wind zu Klappergeräuschen und langfristig zu Rahmenschäden.

Fazit: Wie oft und womit ein Gewächshaus reinigen?

Zweimal jährlich reinigen – Frühjahr und Herbst – ist die wirksamste Maßnahme gegen Ertragsausfälle durch reduzierte Lichttransmission und Schädlingsdruck. pH-neutrale Reiniger und lauwarmes Wasser schonen alle gängigen Gewächshausmaterialien. Hochdruckreiniger (max. 80 bar, Weitwinkelaufsatz) sparen Zeit bei der Außenreinigung von Glasgewächshäusern, sind für PC-Stegplatten und Foliengewächshäuser aber zu aggressiv. Wer den Frühjahrsputz konsequent vor dem Einpflanzen erledigt, sichert seiner Kultur optimale Startbedingungen – messbar durch einen Lichtdurchlass von über 80 % statt 50–60 % bei vernachlässigter Verglasung.

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